Die Familie Blanc und die Geschichte der Waldenser


 

 

 

 

 

Dornholzhausen (bei Bad Homburg v.d.H.)

Am 28. Juli 1699 kam Marie BLANC (Anm. Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Urgroßmutter des Verfassers) mit den ersten Waldensern (196 Personen) auf der Flucht aus dem Chisone-Tal (Piemont) mit Pfarrer David Jordan nach Bad Homburg.

Eine Aufstellung "Les Dénombrements généraux de Réfugiés au Pays de Vaud et à Berne, á la fin du XVII siècle" von Ende Juni 1698 beschreibt die Familie der Marie Blanc: "Le Sr Henry Albertin Marchand de Cezanne en Dauph. aa. d'env 70 a" sowie

"Le Sr Jean Albertin aussy Marchand fils dud. Sr Henry aa. d'env. 28 a., avec Marie Blanc sa fme aa. d'env. 22 a."

Der Ur-Ur-Ur-Ur-Großvater des Verfassers, Georg Heinrich EMMERICH (1734-1795) war der erste deutsche Pfarrer der Waldensergemeinde in Dornholzhausen, von 1756 bis 1768. Er war mit Katharina Elisabeth BLANC (10. Juli 1742 - 4. März 1799) verheiratet. Ihr Vater war David BLANC.

Die Heimat der Geschwister BLANC war die auf etwa 1400 m Höhe im Tal des Cluson (Chisone) gelegene piemontesische Gemeinde Usseaux. Bis 1713 gehörten die Gemeinden des oberen Cluson-/Chisone-Tals (Pragelas) zum Dauphiné und damit zum französischen Staatsgebiet, danach bis zur Staatsgründung Italiens (1860) zu Savoyen-Piemont.

Mit der Aufhebung des Edikts von Nantes im Jahr 1685, das die freie Religionsausübung erlaubt hatte, wurden die im Pragelas verbliebenen calvinistisch-reformierten Familien zum Katholizismus zwangsbekehrt. Als Savoyen 1693 für kurze Zeit das Pragelas eroberte und hierbei alle Ortschaften bis auf Usseaux verwüstet wurden, zog ein großer Teil der Bevölkerung in die benachbarten savoyischen Waldensertäler, wo seit 1690 ihr Glaube toleriert wurde.

Es ist daher nicht auszuschließen, dass Mitglieder der Familie BLANC zeitweise in Savoyen gelebt haben. Nachdem jedoch der Herzog von Savoyen im Auftrag des französischen Königs Ludwig XIV. am 1. Juli 1698 alle reformierten französischen Staatsbürger ausgewiesen hatte, flohen auch viele zur Annahme des katholischen Glaubens gezwungeneIMG-20160429-WA0002 Bewohner aus dem Pragelas.

Die Geschwister BLANC waren bereits 1697 in die Eidgenossen-schaft geflohen und fanden schließlich in der Landgrafschaft Hessen-Homburg Zuflucht: „Jean BLANC, seine 30jährige Schwester Susanne und seine 25jährige Schwester Marie, die im Jahre 1697 die Täler verlassen haben.“ 

Die Schwestern Susanne und Marie Blanc sind in der Einwohnerliste Dornholzhausen vom 27.12.1713 aufgeführt, der Bruder Jean wohnt 1734 in Dornholzhausen; in der Einwohnerliste Dornholzhausen von 1738/39 kommen die Geschwister nicht mehr vor.

Der Homburger Landgraf Friedrich II. gewährte ihnen, nachdem sich der niederländische Gesandte Valkenier für sie eingesetzt hatte, in der Gemarkung des ehemaligen Dorfes "Holzhusin", später "Dürreholzhausen", Wohnrecht. Den Gegnern dieser Neugründung soll Friedrich II. geantwortet haben: " Lieber will ich mein Silbergeräthe verkaufen, als diesen armen Leuten die Aufnahme versagen."

 Die Waldenser gaben ihrer neuen Zukunft Ausdruck, indem sie die Taube des Noah mit dem grünen Ölblatt (1. Mose 8, 10f) auf die Kanzel der Dornholzhäuser Kirche (erbaut 1724) malten und darunter den denkwürdigen Satz schrieben: "Je trouve ici mon asile" ("Hier finde ich meine Zuflucht").

Die Gemeinde las und betete das Wort Gottes in ihrer heimatlichen Sprache, dem 'Patois', einem französichen Dialekt mit italienischem Einschlag.

Die Waldensergemeinde Dornholzhausen besitzt noch heute eine Bibel aus dem Jahre 1563, die die Waldenser auf ihrer Flucht über die Alpen mitgebracht hatten.

Neue Siedler

Die Neuankömmlinge gehörten zu jener großen Zahl von Flüchtlingen, die aufgrund der Religionspolitik Ludwigs XIV., "un roi, une foi, une loi" Frankreich und Savoyen verlassen mussten, wenn sie ihren Glauben nicht aufgeben wollten.

Jene Flüchtlinge, die in Dornholzhausen eine neue Bleibe gefunden hatten, waren Waldenser, aus dem Cisone Tal.

Für Philipp Gallet und Thomas Bertalot wissen wir aus dem Kirchenbuch, dass sie aus Méan und Bourcet im Pragela-Tal (oberes Chisone-Tal) stammten. Eine Liste des holländischen Gesandten über die 1699 in Hessen-Homburg Eingewanderten weist für Samuel Preveiral Pragelas als Heimtort aus und für Jean Jourdan Usseaux, ebenfalls im Pragela-Tal gelegen. Für Pierre Ferrier werden die "Täler Piemonts" als Herkunftsgebiet angegeben. In das Pragela-Tal führen nach Sprachuntersuchungen auch die Namen Bonin,Heritier, Micol, Lageard und Blanc.

Dornholzhäuser Tradition sieht die Heimat der Einwanderer ebenfalls im Pragela-Tal. Heute ist dieses Tal ganz katholisch. Es erstreckt sich über eine Höhe von ca. 700 m bis 1.800 m und ist durch seine SO-Exposition klimatisch relativ begünstigt.

Der Ort Pragela liegt etwa 1.500 m hoch. Im Tal wurde und wird Ackerbau betrieben, je nach Höhenlage Weizen- oder Roggenanbau. Bis ca. 700 m Höhe kann Wein kultiviert werden. Auf den Höhen betreibt man Weidewirtschaft. Ein Problem stellten die immer wieder auftretenden Überschwemmungen dar.

Die Flüchtlinge fanden bei den protestantischen Landesherren aus verschiedenen Gründen recht offene Ohren: Zum einen fühlten die Fürsten die moralische Verpflichtung, den Glaubensbrüdern zu helfen. Das beweisen unter anderem Briefe dieser Landesherren, der Niederlande und des Königs von England, in denen sie sich für die Aufnahme verwendeten. Darüber hinaus unterstützten England und die Niederlande die Flüchtlinge mit Kollektengeldern und Pensionen. Die Niederlande ernannten einen Generalbevollmächtigten, der sich um die Unterbringung der Exulanten in Deutschland zu kümmern hatte.

Auch Friedrich II. von Hessen-Homburg musste sich als Calvinist angesprochen fühlen. Die ersten Verhandlungen über die Ansiedlung der Waldenser zwischen dem Landgrafen Friedrich II., dem niederländischen Generalbevollmächtigten Pierre Valkenier und den Waldenserpfarrern Papon und Arnaud fanden im Oktober 1698 statt.

Mit großer Sorgfalt bemühten sich die Pfarrer darum, dass die Flüchtlinge eine ausreichende Existenzgrundlage erhielten. So verließen sich weder die Pfarrer noch der Generalbevollmächtigte auf die landgräfliche Beschreibung der Siedlungsplätze, sondern sahen sich selbst die in Aussicht gestellten Örtlichkeiten genau an, um bei dem Angebot des Landgrafen, in der Stadt oder auf dem Land zu siedeln, das für diese Flüchtlingsgruppe geeignetste herauszusuchen und zu entscheiden, wie viele Siedler dort eine neue Lebensgrundlage finden könnten.

So zog man der Stadt, wo die Siedler einen Platz für einen Garten, einen Hühnerstall und ein mittelgroßes Haus bekommen sollten, das sie auf eigene Kosten bauen mussten, den sogenannten "Reisberg" vor, wo dreißig bis vierzig Familien je 10 Morgen Land erhalten konnten. Pfarrer Papon beschreibt den Platz so:

"Der Ort befindet sich eine knappe Stunde von der Stadt Homburg entfernt, am Fuß eines kleinen Gebirges, welches ihn nach Westen abschirmt. Er liegt am Ende eines großen Waldes, nicht weit entfernt von einem Ort, wo es 30 von Glaubensflüchtlingen errichtete Baulichkeiten gibt, und wo jene von ihrer Arbeit zu leben beginnen. Das Land ist gut. Ein Teil ist urbar gemacht, ein anderer ist es nicht. Die Landarbeiter können sich dort günstig niederlassen".

Ergänzend dazu heißt es in einer landgräflichen Beschreibung:

"Manufacturiers und Handwerker hätten sehr gute Gelegenheit Commerzien zu etablieren....... als man von hier in zwo Stunden auf Frankfurt, in drei Stunden auf Hanau und in fünf Stunden auf Mayntz kommen und sich daselbsten des Rheins bis in Holland bedienen kann".

Hierher kamen nun Mitte des Jahres 1699 vierzig waldensische Familien, die meisten mit drei oder mehr Kindern. Zehn Familien zogen bald weiter nach Offenbach, da das Gelände nur für dreißig Familien ausreichte.

Die Namen der ersten Siedler sind aus der Liste Valkeniers bekannt, welche er 1699 mit der Bitte um Unterstützungsgelder nach Holland schickte: Jean Anastaze, Abraham Bertalot, Thomas Bertalot, Samuel Bertalot, Susanne Bertalot, Marie Blanc, Michel Brunet, David Creyer, Jean Chonet, Michel Drome, Etienne Engant, Pierre Ferrier, Moyse Ferrier, Jacques Gallet, Jean Gallet, Philip Gallet, Jacques Heritier, Marie Heritier, Pierre Jordan, David Jordan (Pfarrer), David Jordan, Lanselme Jordan, Jean Jordan, Jean Lageard, Jeanne Lageard, Witwe Lageard, Pierre Lavigne, Pierre Micol, Jean Micol, Samuel Préveral.

Source Wikipedia Creatice Commons Attribution-ShareAlike License, Wikimedia Commons, Waldenserkirche Bad Homburg.  

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